Unser Spitzenkandidat Marcus Weinberg MdB hat schon viel politisch bewegt. Was er sich jetzt für Hamburg vorgenommen hat, verrät er uns im Interview.

Unser Spitzenkandidat Marcus Weinberg MdB hat schon viel politisch bewegt. Was er sich jetzt für Hamburg vorgenommen hat, verrät er uns im Interview.

ALSTERBLATT: Hallo Herr Weinberg, wie fühlt es sich an Spitzendkandidat der CDU Hamburg zu sein?
Gut. Für die CDU zu kandidieren ist immer eine Ehre und in Hamburg eine spannende Herausforderung. Ich komme gestärkt, mit vielen Ideen und Erfahrungen aus Berlin zurück.

Welche Themen sehen Sie als wichtigste Themen für Hamburg und damit auch für den Wahlkampf an?
Wir müssen die Menschen in Hamburg wieder für neue Ideen gewinnen und begeistern. Wie sieht unser Hamburg als zusammenwachsende Stadt in zehn Jahren aus? Das wichtigste ist, Hamburg auch für schwierige Zeiten zukunftsfest zu machen. Als Partei mit klaren Grundwerten wollen wir insbesondere den Leistungsträgern wieder eine politische Stimme geben. Das sind all jene Hamburger, die täglich hart arbeiten, um den Laden am Laufen zu halten. Ob Handwerker, Erzieher oder selbstständige Unternehmerin, sie alle bilden die Basis für den Erfolg unserer zusammenwachsenden Stadt. Unsere inhaltlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Wirtschaft, Mobilität, Stadtentwicklung, Sicherheit und Bildung. Im Austausch mit den Menschen aus den verschiedenen Lebensbereichen unserer Stadt und vielen Expertinnen und Experten haben wir unser Programm „Unser Hamburg: Wir wachsen zusammen.“ erarbeitet. Wir machen den Menschen konkrete Angebote, um die Mobilität und das Wohnen umweltfreundlich und bezahlbar zu gestalten, den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Hamburg zu stärken sowie die Sicherheit und Freiheit in unserer Stadt zu garantieren. Die Hamburgerinnen und Hamburger werden sich für nachhaltiges Wachstum und eine Stadt entscheiden, die als Magnet der Moderne wirkt.

Seit Jahren steigen die Mieten, gleichzeitig wird Bauen nicht nur immer teurer, sondern auch bürokratischer. Welche Mittel hat die Landes- und Stadtpolitik hier um gegen zu steuern?
Das beste Mittel gegen steigende Mieten ist ein wachsendes Angebot an bezahlbarem Wohnraum. Dafür müssen wir aber noch schneller und günstiger Wohnungen und Häuser bauen, ohne jedoch die Anzahl von Grünflächen in Hamburg zu reduzieren. Deshalb setzen wir auf eine Nachverdichtung im innerstädtischen Bereich und eine stärkere Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden im Umland. Und für mich ist klar: Für jede neue Wohnung müssen wir auch einen neuen Baum pflanzen. So können wir auch schon in der Stadt anfangen einen ökologischen Ausgleich zu schaffen. Für eine systematische Umsetzung dieses Vorhabens fordern wir einen gemeinsamen Metropolplan 2030, der Leitziele für die Metropolregion Hamburg festschreibt und als Vorbereitung für die jeweiligen Flächennutzungs- und Bebauungspläne – auch die der Umlandgemeinden – dient. Wir wollen Verkehrsadern intelligent verlagern oder überdachen und verstärkt Flächen über Supermärkten und anderen gewerblichen Flachbauten nutzen. Ansätze dazu gibt es unter anderem schon im Bezirk Altona. Schließlich müssen wir Bürokratie abbauen, indem wir einzelne Bauvorschriften auf ihre Wirkung und Sinnhaftigkeit prüfen und bei Bedarf streichen. Abstimmungs- und Genehmigungsprozesse müssen unter anderem durch eine stärkere Digitalisierung in Ämtern und Behörden vereinfacht und beschleunigt werden.

Fährt man zu Stoßzeiten durch Hamburg bekommt man den Eindruck die Stadt steht kurz vorm Verkehrskollaps, Hamburg ist Stau- Hauptstadt und wir haben nur dreieinhalb U-Bahn-Linien, statt neun wie zum Beispiel München. Wie regeln wir den Verkehr der Zukunft?
Mobilität ist das Thema der Zukunft in einer Metropole. Wir müssen durch kluge Lösungen und technische Innovation Mobilität sicher, zuverlässig und ökologisch sauberer gestalten. Um die Straßen zu entlasten und das Stauaufkommen zu reduzieren, wollen wir den ÖPNV attraktiver machen. Dafür müssen Busse und Bahnen enger getaktet, Fahrpreise gesenkt und der Ticketverkauf vereinfacht und digitalisiert werden. Zur Erhöhung der Kapazitäten wollen wir den fahrerlosen, vollautomatisierten Ausbau aller S- und U-Bahnstrecken und einen echten 24Stunden-Betrieb des ÖPNV. Es soll schrittweise ein 365-Euro-Jahresticket für alle Hamburger eingeführt werden. Zunächst sollen Schüler, Studenten, Auszubildende, Praktikanten, Senioren sowie diejenigen, die auf ihr Auto verzichten das Angebot nutzen können. Wir wollen außerdem das HVV-Profiticket für kleinere Unternehmen und die Ausweitung von HVV-Kombitickets. Um den ÖPNV noch attraktiver zu machen, wollen wir das Streckennetz weiter ausbauen und die äußeren Stadtteile besser an die Innenstadt anschließen. Auch deshalb haben wir mit der MetroTramAltona - ein regionales Modellprojekt für den Hamburger Westen- entwickelt, um den Menschen in den Stadtteilen Lurup, Osdorf, Bahrenfeld, Altona-Nord, Ottensen und Othmarschen eine vergleichsweise kostengünstige, umweltfreundliche und auch schnell zu bauende Anbindung zu ermöglichen. Darüber hinaus wollen wir zusammen mit den Nachbarbundesländern ein Verkehrskonzept für den Ballungsraum Hamburg erarbeiten, das insbesondere die äußeren Stadtteile von den Pendlerverkehren entlastet. Wir brauchen ein besseres Baustellenmanagement und eine bessere Baustellenkoordinierung mit den Umlandgemeinden. Dafür werden wir eine gemeinsame Baustellenkoordination für die Metropolregion einführen.

Als Junge Union möchten wir auch den Jüngeren Hamburgern bei der Wahl ein Angebot machen. Welche Themen, die junge Menschen betreffen, wollen Sie auf die Tagesordnung setzen?
Wir freuen uns über gute Vorschläge der JU! Insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung macht unser Wahlprogramm zahlreiche Angebote an junge Menschen. Wir wollen die duale Ausbildung mit besseren Berufsschulen und mehr Wohnheimplätzen für Auszubildende fördern. Wir wollen mit Partnerschaften zwischen Schulen und Betrieben für das Handwerk begeistern und die Gebühren für Meisterschulen erstatten. Denkbar ist ein Modell, das eine Verrechnung der Gebühren mit Gemeinde- oder Landessteuern vorsieht, wenn die Entscheidung für einen Arbeitsplatz oder eine Betriebsgründung auf Hamburg fällt. Wir werden Jugendwohnungen für Auszubildende und Studentenwohnheime fördern. Wir werden Unternehmen und Institutionen dabei unterstützen, arbeitsplatznahe Wohnungen bereitzustellen. Wir planen eine Qualitätsoffensive an Hamburgs Schulen. Vorgesehen sind unter anderem eine Verbesserung der Lernsituation an Gymnasien durch zusätzliche Lehrer, eine bessere Nachmittagsbetreuung, eine Reduzierung des Unterrichtsausfalls und eine Überarbeitung der Bildungspläne. Wir werden auch das Angebot schulischer und außerschulischer Medienkompetenzprogramme ausbauen. Voraussetzung dafür ist ein flächendeckender Breitbandanschluss mit schnellen Glasfaserverbindungen sowie ein WLAN-Ausbau mit hoher Datenrate an Hamburgs Schulen. Um den Sanierungsstau an den Hamburger Hochschulen zu beseitigen, werden wir ein Konzept zur Sanierung aller staatlichen Hochschulen in Hamburg bis Ende 2020 erstellen und umsetzen. Wir werden zusammen mit den Hamburger Hochschulen ein Konzept entwickeln, um mehr internationale Professuren und Forschungsprojekte aber auch mehr internationale Studierende nach Hamburg zu holen.

Was wäre nach der Wahl Ihre Wunsch-Koalition für Hamburg? Wo sehen Sie dort die Gemeinsamkeiten der Parteien?
Wir koalieren zuallererst mit den Hamburgerinnen und Hamburgern. Und wir laufen weder Sozialdemokraten noch den Grünen hinterher. Unser Programm, unser Profil und auch unsere Kandidaten stehen für die CDU in all ihrer Vielfalt mit all ihren Strömungen. Dass einige Hamburger Zeitungen mir ein reines schwarz-grünes Profil unterstellen ist zwar falsch, aber damit muss man leben. Ich habe tatsächlich in Altona schwarz-grün mit entwickelt, aber genauso mit Frau Leonhardt für die SPD den Koalitionsvertrag auf Bundesebene ausgehandelt. Mit Blick auf die Zukunftsthemen der Stadt wie Sicherheit und Infrastruktur präferiere ich eine Koalition der Vernunft, eine Deutschlandkoalition. Entscheidend am Ende der Sondierungen und Verhandlungen wird sein, dass in einer Koalition die CDU-Handschrift zu erkennen ist und es einen gemeinsamen Geist für eine Zukunftsgeschichte der Stadt gibt.

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